Empfohlene Beiträge

Servus,

seit wann gibt es denn eigendlich  dieses  FOB TGFOP  etc.... , wie wurde der Tee vor 120 Jahren getrunken und Bewertet - oder vor 250 Jahren. Wie wusste damals der Teetrinker was er trinkt ?

 

Gruß und Dank 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Das genannte System der Blattgrade, das ja vor allem für Tees aus Indien, Nepal, Sri Lanka oder auch Afrika verwendet wird, geht meiner Information nach auf das 19. Jahrhundert zurück. Vor allem in der britischen Kolonialwirtschaft wurde danach wert darauf gelegt, ein System zu entwickeln, bei dem Tees vergleichbar wurden und so hat sich dieses System schließlich durchgesetzt. Aus heutiger Sicht finde ich, dass die Blattgradierungen nur eingeschränkte Informationen über die Qualität des Tees liefern. Natürlich erhält man unter anderem Hinweise über die vermutliche Blattgröße und ob beispielsweise vermehrt Triebspitzen (tippy) enthalten sein sollen. Ich schreibe vermutlich, weil es keine eindeutige Festlegung dafür gibt. Die einzelnen Gärten können das selbst festlegen, wobei sich so etwas wie eine Ähnlichkeit schon herausgebildet hat. Während die Angaben hier also etwas Information liefern ist es gleichzeitig möglich, dass ein SFTGFOP1 so hergestellt wurde, dass der Geschmack am Ende durchschnittlich bleibt, während ein FTGFOP wesentlich komplexer und für mich interessanter daherkommen kann.

Der Vergleich mit chinesischen Tees wird anhand dieses Systems ohnehin schwierig, da hier andere Bezeichnungen Verwendung finden. Historisch gesehen tauchte in Europa im 17. Jahrhundert Bezeichnungen auf, mit denen chinesicher Tee eingeteilt wurde. Diese sind beim scharzen Tee mit aufsteigender Qualität Bohea (unsortierte Mischung diverser Blattgrößen), Congo (Blätter bestimmter Größe), Souchong (mit hohem Blattspitzenanteil) - im Gegensatz dazu heute oft für großblättrigen Tee verwendet - und Pekoe (mit noch mehr Blattspitzenanteil).

Heute finden sich demgegenüber bei chinesischem Tee unter anderem Bezeichnungen wie Grade A, Grade B oder Supreme, etc.

Am Ende läuft es für mich heute wie auch früher darauf hinaus, dass es nur durch Probieren und Vertrauen auf die jeweilige Quelle des Tees möglich ist, das zu finden, was man für hochwertig hält.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Bei den modernen Blattgraden bezeichnet Flowery Orange Pekoe: Blattknospe, flaumig behaart, Orange Pekoe: kleine gerollte Blättchen, vielfach mit silbrigen oder goldgelben Spitzen, Pekoe: zweites Blatt, kürzer und breiter, Pekoe Souchong: drittes Blatt, dicker, aufgerauht, Souchong: viertes Blatt, grob und breit, Kongo: ältere, harte Blätter. (Eberhard Bügner, Joe Kemptner: Tee – ein Geschenk der Armen für die Reichen, Seite 13)

Die im 18. und 19. Jahrhundert gebräuchlichen Qualitätsbezeichnungen finden sich in der Geschichte des Thees und Koffees von John Coackley Lettsom und John Ellis (Seite 43-47) sowie im Taschenbuch für Theetrinker von F. Marquis - hier im Kapitel "Von dem ausgezeichneten Character der in Europa bekannten Theesorten" (Seite 34-56).

Zusammengefasst nach Martin Kriegers Buch Tee. Eine Kulturgeschichte (Seite 51-59) wurden damals folgende Kategorien verwendet:

Schwarzer Tee: einfachste Sorte Bohea (auch Theebu oder Theeboui), nächsthöhere Qualität Congo (oder Camphu), noch feinere Sorte Souchong (oder Saotchaon), besonders fein Pekoe.

Grüner Tee: einfachste Sorte Hyswen, wenig besser Songlo, am angenehmsten und beliebtesten Hyson.

Als Qualitätsmerkmale galten seit dem 17. Jahrhundert in Europa vor allem die Färbung des Aufgusses und der Geschmack selbst. (Seite 54f)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

@Michael Hofmann  Schaue mal in diesem Thread vorbei, da gibt es einiges an Quellen und Abbildungen.

Um es kurz zu fassen, das was wir als Teefans mit chinesischem Tee, Geschirr und Gongfu-Methode machen, hatten wir bereits im 17 Jh. Es wurde nicht nur bloßer Tee exportiert, da standen auch Yixing-Teekannen auf dem Tisch von denen die sich das leisten konnten, und Verkostungen nach den chinesischen Vorbild waren in der feinen Gesellschaft durchaus keine Seltenheit. Die gegenwärtige - "hauptsache braun und pelzig im Geschmack" - Teebeutelkultur hat sich so in der Form erst in den 1970ern herausgebildet.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

An der Konversation teilnehmen

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.


  • Gleiche Inhalte

    • Von OstHesse
      Liebe Grüße an alle Teekenner!
      Dieses Thema brennt mir schon lange auf der Zunge, denn heute ist es besonders populär Gongfu Cha, die traditionell chinesische Teezubereitungsmethode und die sogenannte "westliche Methode" gegeneinander zu stellen und zu vergleichen, wobei wir fast immer die Aussage "Gongfu Cha ist 'besser!" zu hören bekommen. Unser @miig hat mal ein Thema gepostet wo er nach der Definition von Gongfu Cha fragte, nun, ich bevorzuge da eine rein technische Herangehensweise. Das Wort gongfu wird je nach Quelle und Translator mit "Anstrengung", "Mühe", "Fertigkeit" und "Kunst" übersetzt, wenn man aber einfach den Vorgang selbst anschaut sowie die dahinter stehenden Ziele, ist Gongfu Cha praktisch dasselbe was wir in Europa mit Wein, Whisky und Zigarren machen! Man kann all diese Sachen nur des Alkohols wegen einfach herunterstürzen und die Zigarren nur des Nikotins wegen verqualmen, die Kenner tun das jedoch nie - man verwendet spezielle Geschirr, Werkzeuge und Konsummethoden um den Genuss soweit zu maximieren wie es nur geht. In Zigarren-, Wein- und Whiskyclubs geht es primär um Genuss, Erkenntnis und das soziale Beiwerk, nicht stupides saufen und quarzen. Die Genussmittel sind der Star der Show, kein Kenner wird seinen besten Single Malt mit Eiswürfeln malträtieren oder die feinste Zigarre brutal im Aschebecher ausdrücken, exakt diesselbe Mentalität haben die Chinesen auch wenn die eine Gongfu Cha Session machen.
      Wenn aber nun von "westlicher Methode" gesprochen wird, werden darunter fast immer moderne Teegewohnheiten der breiten Bevölkerung in Europa und Nordamerika gemeint, wobei auch fast immer  angenommen wird dass eben diese die "europäische Teekultur" darstellen. Diese Sicht halte ich für falsch!
      Ich habe mich in letzter Zeit mit Geschichte des Tees in Europa auseinander gesetzt, schriftliche Quellen und Abbildungen aus dem 17 bis 19 Jh., aus der Zeit wo weder Indien noch Sri Lanka als Teeproduzenten eine Rolle spielten (hier, hier hier nur um Einige zu nennen), nur um Folgendes festzustellen. Bis ungefähr 1820 war der gesamte verfügbare Tee ausschließlich chinesischen Ursprungs und er war nicht nur "Tee" sondern Bohea, Hysson, Singlo, Souchong, Congou, Pekoe, etc., wobei das was wir heute "Schwarztee" nennen um die Mitte des 18 Jh. den größten Anteil am europäischen Teeimport erlangte. Bis dahin war Grüntee tatsächlich die am meisten konsumierte Teeart in Europa (quelle). Das Teegeschirr, wie die Abbbildungen und Beschreibungen vom Teetrinken zeigen, wurde ebenfalls teils aus China importiert teils nachgeahmt, Abbildungen von Teetrinkern zeigen wenig bis gar keine Lebensmittel auf dem Teetisch, der chinesische Einfluss hier ist kaum zu übersehen. Einfach zusammengefasst, die europäische Teewelt des 18 Jh., wo britische, ostfriesische und russische Teekulturen in ihren Grundzügen gebildet wurden, war eine nahezu komplett andere Welt, die viel näher an China war an unsere heutgen westlichen Teegewohnheiten!
      Warum hat sich die europäische Teewelt so radikal verändert? Nun, zuerst haben die Teeplantagen in Assam den Teemarkt komplett umgekrempelt, bereits am Ende des 19 Jh. war indischer Schwarztee bereits so billig und so verbreitet, dass er andere Teesorten vom Markt nach und nach verdränge. Es war trotzdem noch klassischer Blattee welcher die klassische Zubereitung zuließ. Als aber in den 1930ern die CTC-Methode erfunden und perfektionert wurde, eroberte der nach CTC hergestellte Assam Schwarztee ab den 1950ern die gesamte Welt! Die Gründe dafür waren und sind; er extrahiert viel schneller, ist als Staub perfekt für Teebeutel, kann in rauhen Mengen produziert weren und ist schön billig. Die wohl tiefste Zäsur ist jedoch sein Geschmack und Aufgussverhalten, welche sich von den klassischen chinesischen Oolong, Heicha und Hongcha fundamental unterscheiden! So passierte es dass die alten Aufguss- und Konsummethoden nach und nach aufgegeben und vergessen wurden, denn die Teekannen, Samoware und Stövchen hatten einfach keine Funktion mehr. CTC Assam braucht keine hohe Dauerhitze im Gegensatz zu o.g. chinesischen Tees, er brüht nur einmal auf, man kann ihn einfach im Gefäß behalten ohne dass es zu bitter wird und sein rauher intensiver Geschmack lässt sich wunderbar mit Milch, Zucker und allerlei Gebäck und Kuchen ergänzen.
      Man kann also sagen dass unsere moderne "westliche Teekultur" an sich ziemlich jung ist und fast komplett auf CTC Assam ausgerichtet ist. Sie lässt sich mit traditionellen europäischen Teekulturen kaum bis gar nicht vergleichen - anderer Tee mit komplett anderen Eigenschaften, andere Zubereitungsweise (Teebeutel, Teeeier, tea brewer, etc.) und eine völlig andere gesellschaftliche Stellung des Teetrinkens. CTC Assam wird heute von der Masse der Konsumenten als "der Tee" schlechthin verstanden und wird als Beiwerk zu Süßigkeiten, Gebäck und Kuchen gesehen und nicht als etwas Eigenständiges, deswegen kann man ihn mit chinesischen Tees nicht vergleichen. Er ist weder "besser" noch "schlechter" sondern ANDERS! CTC Assam tut das wofür er gezüchtet und hergestellt wurde, und das ist nun mal nicht die Gongfu Cha.
      Was ich hier vermitteln will ist, die gegenwärtige Welle von Interesse am chinesischen Tee und chinesischer Teekultur hat bereits einmal vor mehr als 300 Jahren stattgefunden! Das Resultat dieser Begegnung war die Formation der britischen, ostfriesischen und russischen Teekulturen, China war das einzige Vorbild. Die moderne "westliche CTC Assam - basierte Methode" hat mit all diesen historischen und modernen Vorlagen nahezu nichts gemeinsam. Von daher ist das ganze Gongfu Cha VS Westliche Methode eigentlich sinnfrei, denn hier werden förmlich Äpfel mit Kartoffeln verglichen! Die moderne westliche Teekultur ist weder "traditionell" noch "europäisch".
      Was ich übrigens faszinierend finde ist, je mehr man sich mit der chinesischen Teekultur beschäftigt, desto mehr entdeckt man über die eigene fast vergessene Teekultur, wie sie einmal bei den Briten, Russen und Deutschen herrschte.
      Das was wir als Teefans heute tun, dürfe vor 200 bis 300 Jahren durchaus zur Normalität gehört zu haben



      Grüße, OstHesse
    • Von Quorton
      Man findet viele Videos zu Teezeremonien und anderen Quatsch auf Youtube. Es gibt jede Menge Gongfu-Vorstellungen die uns erklären, dass das und nichts anderes DIE traditionelle Art der Teezubereitung ist. Daher meine Überraschung als ich dieses Video gefunden habe. Es gibt hier auf den Forum Leute mit deutlich mehr Erfahrung als ich, also alles was ich hier sage ist mit Vorsicht zu genießen. 
       
      Dieses Video scheint alles richtig zu machen. Wenn man die zeitgenössische Quellen ließt, genau so stellt man sich die Song Dynastie hohe Teekultur vor. Der Wasserbehälter ist typisch mit einen spitzen Ende, die Schale ist auch stilistisch passend, der Tee wird tatsächlich so gut vorbereitet, dass der Schaum weiß ist... 
       
      Ich finde auch das Video besser als das von Global Tea Hut. Dort wurden unpassende Schalen genutzt. Zusätzlich wurde die Vorbereitung und Servierung ein bisschen komisch gemacht. Hier ist das besagte Video: 
       
       
      Um eine Ergänzung für interessierte zu verlinken, hier ein Video zu Song-Teekeramik: 
       
       
      Bücher auf die ich meine Aussage zu Authentizität mache:
      Mair, Victor H. und Erling Hoh. 2012. The True History of Tea. London: Thames and Hudson Ltd.
      Benn, James A.. 2015. Tea in China: A Religious and Cultural History. Honolulu: University of Hawaii Press.
       
    • Von manuel
      Undzwar ist mir gerade ein recht interessanter Vericht in der ZDF Mediathek aufgefallen vom 5.12.
      LINK: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1510660/WISO-plus:-Tee-%285122011%29
      WISO Plus
      Alles rund um Tee: eine Geschichte des Tees, die Frage, ob Teebeutel wirklich "schlimm" sind und ein Einblick in die Ausbildung zum Tee-Sommelier mehr auf zdf.de / heute.de
      Wer ihn sich gerne downloaden möchte , der kann sich das Freeware Programm Stream Transport laden, das funktioniert wie ein Browser und man kopierte die Adresse rein und es sucht sicht den Stream raus und läd ihn runter.
      Falls der Bericht nichtmehr verfügbar ist kann ich ihn also nochmal hochladen.
      So schauts Programm aus: (siehe Bild im Anhang)

    • Von Tobias82
      Hallo zusammen,
      hab´ gerade eine elektronische Version des Buches "The stonewares of Yixing" "From the Ming period to the present day" gefunden.
      Hier der link:
      "The stonewares of Yixing"
      Hab´ nach MengChen und seinen Kannen gesucht und bin über die google-Suche auf das Dokument gestoßen, hab´ gerade nur mal quer
      gelesen, scheint viel verwertbares drin zu stehen.
      Viel Spaß!
    • Von Alf
      Bin ich im www drüber gestolpert
       
      http://bookzz.org/dl/2552140/0a068e
       
      Preface ix Acknowledgements xv Introduction xvii
      1  Tea in History and Legend 3
      2  The Emperor Hui Tsung's Treatise on Tea
      3  A Ming Dynasty Tea Manual 39
      4  Tea Gardens 43
      5  Teahouses 53
      6  Ten Thousand Teas 69
      7  Tea and the Tao 103
      8  Mountain Springs, the Friends of Tea
      9  Poems and Songs of Tea 129
      10  A Manual for Practising the Artless Art
      11  Tea and Ceramics 169
      12  Tea and Health 185
      Postscript 195
      Appendices 197
      Old and new Chinese styles of romanisation 198
      Names of some available teas 200
      Names of cities and provinces mentioned in the text 202 Map of China's main tea-producing provinces 204 Chinese sources referred to in the text 205 
       
       
  • Neue Themen