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GoldenTurtle

Yixing & Grüntee - das traditionelle Gespann

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Ich bin etwas skeptisch, Yixing ist es mMn nicht, es hat eine Lackierung, und Yixings haben sowas nicht.

PS: Zum Thema Yixing hatten wir neulich aber eine interessante Diskussion, ein Teefreund hat in einer Yixing einen Maojian Grüntee gebrüht, weshalb ich ihn dann etwas fragend gemustert habe, was dann aber rauskam ist, dass traditionell Yixing Teekannen eigentlich nur für Grüntee und irgendwann dann auch für Rottee verwendet wurden, aber die heutig so hippe Verwendung für Oolong und Pu'Er eigentlich als neumodischer Firlefanz zu betrachten ist, wobei viele "Teekenner" im Westen aber steif behaupt würden, dass für Grüntee Yixing gar nicht passt wegen der Porösität der Kannen und so. So schnell kann aus einem neumodischen Trend das Denken entstehen, etwas sei schon immer so gewesen.

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vor 3 Minuten schrieb GoldenTurtle:

traditionell Yixing Teekannen eigentlich nur für Grüntee

Das ist zutreffend. In Japan entstand ab der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts der 'Bunjincha', der 'Tee der Literati', aus dem dann die verschiedenen Schulen des Senchadō hervorgehen sollten. Vorbild war die Teekultur der chinesischen Literati der Mingzeit. Dies war vor allem auch eine Gegenbewegung zum aristokratisch-elitären Chanoyu. Wichtigster Impulsgeber war Baisaō (1675–1763), ursprünglich ein Zen-Mönch der Ōbaku-shū, die durch den chinesischen Zenmeister Yinyuan Longqi (Jap. Ingen Ryūki, 1592 - 1673) im Jahr 1661 etabliert worden war. Ingen und seine chinesischen Begleiter hatten die mingzeitliche chinesische Art der Teezubereitung mitgebracht, wo sie am Manpuku-ji (noch heute Haupttempel der Ōbaku-shū) ausgeübt wurde. Dieser 'Import' setzte auch andere wichtige kulturelle Impulse in Japan - von der Kalligraphie bis zur Architektur.

Die frühe Bunjincha-Bewegung hatte jedenfalls das Problem, dass es in Japan selbst weder eine Produktion von Sencha gab noch geeignete Geräte für die Zubereitung - beides wurde erst durch diese Bewegung initiiert. Tee und Geschirr wurde zunächst aus China über die in Nagasaki ansässigen chinesischen Kaufleute importiert. Wie durch hinterlassene Teegerätschaften nachgewiesen ist, war das für die Zubereitung von Sencha (im ursprünglichen Sinn eine generelle Bezeichnung für grüne Blatt-Tees, gleich welcher Herkunft) bevorzugte Material Yixing. Allerdings aufgrund der Abschottungspolitik der Tokugawa schwer erhältlich und teuer - schon in China selbst. Die sich mit der Popularisierung des Bunjincha und dann des Senchadō entwickelnde japanische Produktion sowohl von (grünem) Blatt-Tee als auch von dem dazu benötigten Teegeschirr entwickelte sich zunächst in enger Anlehnung an chinesische Vorbilder. Tokoname- und Banko-Keramik entstand so in enger Anlehnung an das Vorbild Yixing. Wichtigster Initiator war der Maler Kimura Kenkadō (1736 - 1802), ein Freund und Erbe einiger Teegeräte Baisaōs - viele hatte Baisaō vor seinem Tod vernichtet, vermutlich um einem "Reliquienkult" vorzubeugen. Kenkadō jedenfalls publizierte nicht nur ein Buch mit Zeichnungen von Baisaōs Teegeräten, er ließ auch einheimische Handwerker Kopien von Teegeräten Baisaōs anfertigen. Kimura Kenkadō und Ueda Akinari (1734 - 1809), ein Arzt und Schriftsteller, der zwei einflussreiche Arbeiten über grünen Tee verfasste ('Vermischte Kommentare zum Weg reiner Eleganz' 1794 und  'Trunkene Worte eines Teesüchtigen' 1807) waren dann die wichtigsten Wegbereiter des Senchadō.

 

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Links Yixing-Kanne aus dem Nachlass Ingen Ryūkis, rechts Yixing-Kanne (auch als Wasserkessel genutzt)aus dem Nachlass Baisaōs / Kenkadōs.

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Links Baisaō, genannt 'der alte Teehausierer', rechts Ueda Akinari.

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Danke, SoGen, für diese interessanten Informationen! Obwohl ich mich mit der Geschichte des Teetrinkens in Japan schon beschäftigt habe, war mir Bunjincha bisher nicht bekannt. Sind die von Dir genannten Schriften von Ueda Akinari veröffentlicht? Falls sie online oder gedruckt verfügbar sind, wäre ich für einen entsprechenden Hinweis dankbar. Am besten natürlich in deutscher oder englischer Übersetzung. Notfalls auch auf japanisch.

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Geschrieben (bearbeitet)

Möglicherweise könnte unser eigener 'alter Teehausierer' @miig ab meinem PS ein eigenes Thema daraus erstellen mit dem Titel: "Yixing & Grüntee - das traditionelle Gespann".
Ich wollte dies eigentlich nur als Randnotiz einmal kurz erwähnen, aber mit @SoGen's historischen Erläuterungen, die einmal mehr beinahe biblische Ausmasse annehmen ergibt dies nun doch ein ansprechendes Thema.

bearbeitet von GoldenTurtle

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@teewelt: Direkten Zugriff auf die Texte habe ich leider nicht; Übersetzungen scheinen nicht zu existieren und Japanisch kann ich nur ein paar Brocken. Meine Quelle für obiges (auch für die Bilder) ist:

Patricia J. Graham
Tea of the Sages: The Art of Sencha
University of Hawai'i Press
Honolulu 1998
ISBN 0-8248-1942-X

Leider nur antiquarisch erhältlich zu recht saftigen Preisen. Ich hatte mir daher bei Google Books eine Ebook-Version für ca. 20 € gekauft und mich ziemlich geärgert. Ist nur PDF (was ja okay ist), aber grottenschlechter, offensichtlich vollautomatischer, unlektorierter Scan und nur mit Anstrengung zu lesen. Inhaltlich nichtsdestotrotz (jedenfalls für mich) hochinteressant.

Die Bibliographie ist da nur in Romaji und wegen der Scanqualität kann ich Lesefehler nicht ausschließen. Auch die Form der bibliographischen Angaben ist .... ich sag mal: ungewöhnlich. Die beiden genannten Texte von Akinari werden jedenfalls wie folgt (d.h. von mir ein wenig sortiert) angegeben - die Angaben zur Originalveröffentlichung lasse ich mal aus:

Ueda Akinari
Seifū sagen  (Miscellaneous Comments on the Way of Pure Elegance)
in: Hayashiya Tatsusaburo, Yokoi Kiyoshi, and Narabayashi Tadao, eds.
Nihon no chasho (Japanese books on tea) Vol. 2
Tōyōbunko, 206
Tokyo: Heibonsha 1972
pp. 153 - 210

Ueda Akinari
Chaka suigen (Drunken words of a Tea Addict)
in: Nakamura Yukihiko
Kinsei sakka kenkyū (Research on writers of the early modern era)
Tokyo: Sanichi Shobō 1961
pp. 219 - 249

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vor 33 Minuten schrieb GoldenTurtle:

beinahe biblische Ausmasse

Da der Text ja nun nicht sooo umfangreich ist, vermute ich mal du meinst die unhinterfragbare autoritative Gültigkeit ... ;)

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