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Anfängerfehler - Pause - Neuanfang!


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Kröti hat mich erneut daran erinnert, dass ich etwas ganz spezielles loswerden wollte. Ich war nun einige Zeit abstinent, nicht nur was das Teeforum anging, sondern auch den Tee an sich. Wenn ich von "TEE" spreche dann meine ich jenen im herkömmlichen Sinne und keine Kräuteraufgüsse, denn diese trinke ich täglich und das in rauen Mengen und es tat mir verdammt gut ;)

Damit wären wir schon beim ersten Punkt und somit soll dies hier ein Start und ein Tipp von mir an alle "Tee-Neuen" sein, um vielleicht den ein oder anderen Fehler vermeiden zu können. Denn mir sind immer mehr meine anfänglichen Fehler bewusst geworden, denn wenn man in eine Materie eintaucht dann neigt man schnell zur maßlosen Übertreibung. Diese spiegelte sich nicht nur im Konsum wieder, sondern auch in der Konsumierung des Tees.

Ist grüner Tee & Co gut für Geist und Seele? Mit Sicherheit, aber alles mit Maß und Ziel und über jenes war ich nach gut 3 1/2 Jahren weit hinaus geschossen. Durch meinen Tee-blog ZeroZen und meine stetigen Verkostungen konsumierte ich im Schnitt 2-3 Liter an Grünem, Oolong, Puerh & Co an fast jedem Tag, es gab kaum wirklich längere Pausen. Da mein Körper in vielem allgemein nicht gerade der ist, der am Meisten aushält, war es eigentlich absehbar, dass es sich irgendwann bemerkbar machen würde, aber damals dachte ich nicht soweit oder hätte einfach nicht damit gerechnet. Dies muss nicht heißen, dass es jedem am Ende so ergehen wird, aber ich denke es wird hier so einige geben die einen ähnlich hohen Konsum an den Tag legen und denen möchte ich nur den Tipp geben, es eher ruhig angehen zu lassen

Gibt man einer Sache mehr Zeit sich zu entfalten und gewisse Erfahrungen und Momente sacken zu lassen, dann erhascht man auch einen gänzlich anderen Blickwinkel auf jene Materie und kann ganz anders und gestärkt erneut mit gereiften Sinnen und Seele an die Sache herangehen, aber pusht man alles im Leben stetig an sein Limit, ist irgendwann eine Pause nötig. Am Anfang reduzierte ich sehr meinen Konsum, aber da ich schon so viel Schindluder mit meinem Körper über so lange Zeit getrieben hatte (damit meine ich den Teekonsum), wurde aus weniger irgendwann eine gänzliche Abstinenz und da ich keinen neuen Kontent mehr zu beitragen fand, wurde auch meine Präsenz hier immer rarer, bis ich irgendwann ganz von der Bildfläche verschwand, aber genau diese Pause die gut ein 3/4 Jahr andauerte gab mir den Anlass mit gänzlich neuem Wind an die Sache heran zu gehen. Dieses Jahr hat mir nicht nur meine "Fehler" aufgezeigt, sondern auch Erkenntnisse gebracht, dass ich immer mehr an Materiellem los wurde und erkannte was ich wirklich brauche. Dies hieß nicht das ich mir nichts mehr kaufte oder leiste, aber es musste Sinn machen und nicht nur aus reinem Impuls und vor allem überschwänglicher Begeisterung geschehen.

Jetzt nehme ich mir die Zeit und betrachte meine Wünsche genau und überdenke Sinn und wirklichen Gebrauch genau und dann entscheide ich erst ob ein Kauf wirklich notwendig und vor allem sinnvoll ist, denn eine Kanne die hübsch ist, aber am Ende mehr einstaubt, als in Gebrauch ist, ist einfach eine unnütze Anschaffung und schade um die Kanne die wie ein (hübsches) Mauerblümchen vernachlässigt wird.

Mein großer Fehler vor dieser Pause war nicht nur der maßlose Konsum an sich, sondern auch unüberlegte Käufe, vor allem auf lange Sicht. Viele meiner Yixing Kannen und Co waren wirkliche Eyecatcher aber standen am Ende mehr auf ihrem Spot und staubten ein, als das sie wirklich in Gebrauch waren. Ein wichtiger Grund dafür war das Volumen.

Im Moment trinke ich wieder fast täglich meine Session, aber konzentriere mich dabei mehr auf den Genuss und das Erlebnis, als es zu stark zu zerlegen. Derzeit liegt mein Blog noch immer im Winterschlaf, aber der Wunsch wieder neues Material zu veröffentlichen ist auf jeden Fall vorhanden. Aber zurück zur Menge. Die Tatsache des Trinkens von Tee an sich war nicht das Problem, sonder die Menge. Für mich erwiesen sich kleine Kanne von 130ml abwärts, als weit sinnvoller, als meine bisher gekauften Kanne die so gut wie alle eine Menge von 200-240ml aufwiesen. Dies war auch ein Grund warum sie immer mehr einstaubten und dies war einfach schade und mir taten jene Kannen richtig leid. Denn wenn man ein Rad nicht schmiert, wird es rostig. Somit und hier komme ich auf Kröti zurück fing ich an viele meiner Stücke an einen guten Teefreund weiter zu reichen, der diese auch wirklich gebraucht und sie wertschätzt. Somit verließen am Ende 3 Yixing, 1 Nixing, 1 Jianshui, 1 Novak, 1 Taiwanesische und zwei Kyusu meinen Teeschrank. Nach und nach folgten auch einige Tassen, die zwar schön waren, aber ich eigentlich nie nutzte.

Ich fasse einmal zusammen, mein Tipp:

  • Trinkt eher kleine Mengen an Tee ca. 600ml am Tag, anstatt zu viel Koffein auf euren Organismus einwirken zu lassen
  • Gönnt euch auch eine Pause, vor allem wenn die Ruhe für eine ausgelassen Session fehlt. Denn stresst braucht kein Tee. Die Ruhe und Zeit muss sein.
  • Besser Kannen kaufen, welche wirklich einen regelmäßigen Nutzen haben, daher rate ich eher zu kleinen Größen von 130ml abwärts.
  • Nutzt lieber eine Kanne pro Gattung, als 3 Kannen für zB Wuyi Oolongs zu haben und am Ende nutzt ihr nur 1 oder 2 davon.
  • Tassen! Man kann nie genug haben, aber richtig sollen sie sein. Viele sehen hübsch aus, aber vor allem dunkle Tassen geben die Farbe des Tees nicht wieder und ich für meinen Teil fand dies mit der Zeit nicht nur fotografisch betrachtet als nachteilig, sondern auch von der Perspektive meiner Vorlieben, was ich sehen möchte, wenn ich Tee genieße.

Im Moment nutze ich eine Bero Kyusu (innen glasiert) für japanische Grüne und Taiwan Oolongs, eine Novak und eine Yixing für Wuyi, eine weitere Yixing für Shu Puerh, eine Porzellankanne für alles (oft auch für Sheng), eine weitere Yixing für China grüne und weiße und eine letzte Novak (diese aber glasiert) für Wuyi und Dancong. Im Grunde sind alle meine Yixing (3 verbleibende) immer noch zu groß und Überlebende meiner Jahre vor dieser Pause, dennoch werden diese verbleiben. Viel mehr habe ich nun eine ganz kleine Chao Zhou im Auge welche rein für Dancong genutzt wird und eine letzte von Duschek wird noch kommen, welche ich dann für Sheng nutzen werde. Doch alles mit der Zeit.

Sicherlich lässt es sich nicht mit Sicherheit sagen, dass es nicht doch mehr Kanne sein werden, eines Tages, doch nun habe ich aus vielen kleinen Fehlern gelernt und weiß nun das kleine Kannen weit sinnvoller sind und man am Ende nicht alles haben muss, nur weil es hübsch ist ;)

 

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Wow 9_9 Toller Beitrag.

Leider fast schon etwas zu spät für mich, da ich vor einigen Wochen, zumindest was die Utensilien und die Sache mit den kleineren Portionen, selbst zu ganz ähnlichen Gedanken gekommen bin. :D

In nächster Zeit wird bei mir auch einiges die Sammlung verlassen. Allerdings hatte ich (glücklicherweise? !) bisher nicht genug Geld mir so viele Yixing- und/oder ähnlich teure Kannen zu kaufen.

Am Ende ist es eben ein schönes Hobby und eine wunderbare Leidenschaft. Es sollte aber eben keine Obsession werden, bei der man auf der Suche nach immer größeren Superlativen, den Genuss bei Seite stellt.

Du hast den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen.

Danke für diesen Einblick.

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vor 48 Minuten schrieb VanFersen:

... denn wenn man in eine Materie eintaucht dann neigt man schnell zur maßlosen Übertreibung.

Und bei dir ist das sogar noch leicht überdurchschnittlich ausgeprägt! :D

Allerdings ... wenn man sich meine Teesammlung ansieht ... dann bei mir vielleicht ja auch ein klitzekleines Bisschen. :ph34r:

PS: Hast du schon mal guten Tee aus einer Onyx-, Flussstein- oder Jaspiskanne probiert? Würde ich besser nicht an deiner Stelle ... :lol:

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vor 7 Stunden schrieb GoldenTurtle:

PS: Hast du schon mal guten Tee aus einer Onyx-, Flussstein- oder Jaspiskanne probiert? Würde ich besser nicht an deiner Stelle ... :lol:

Warum ist es die ultimative Superlative? Wie entwickeln sich eigentlich die Sorten in solchen Kannen, du scheinst ja, was ich so mitbekam wirklich in jene Materie eingetaucht zu sein, hast auch ein paar jener Kannen oder?

Achja eines hatte ich vergessen. Die Pause hat mir dafür wieder neue (alte) Leidenschaften nahe gelegt, somit fing ich zB wieder mehr an zum Zocken :D (hab mir nach ungefähr einem 3/4 Jahr des überlegens ob Ja oder Nein, im November diesen Jahres endlich eine PS4 besorgt) und zum kreativ sein, was das Zeichnen anbelangte. Somit fand ich für mich Instagram, was mich früher nie interessiert hatte. Nach und nach hat sich mein Kanal auf Teefotografien und Zeichnungen aufgeteilt. In letzter Zeit habe ich sehr viel Tee-Kontent dort gepostet und es macht richtig Freude dieses Medium zu nutzen. Aber wie gesagt plane ich dennoch dieses Jahr wieder Inhalt auf ZeroZen zu veröffentlichen. Aber wer einiges an Tee und Malerischem von mir sehen möchte, ich versuche recht regelmäßig Neues zu zeigen, aber eben ohne Druck, wie es kommt so kommts ;)ZeroZen~ArtLab

Edited by VanFersen
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Schön, dass Du wieder aktiv dabei bist, Fersi. :) 

Natürlich gilt das nicht für alle, denn jeder hat seine persönlichen Toleranzgrenzen, wer was gesundheitlich verträgt und aus welchem Grunde man sich Teezubehör anschafft.

Dennoch finde ich es einen sinnvollen Hinweis darauf, dass man gerade heutzutage, wo man nicht mehr auf die Pirsch muss, um etwas zu erstehen, sondern mal eben mehr oder weniger unbedacht auf´s Knöpfchen drückt und sich somit in kürzester Zeit (viel zu viele) Dinge anschaffen kann, da man durch Bilder, Kommentare und einen Wust an Angeboten verlockt wird, die man vor dem Internetzeitalter nur nach und nach entdecken konnte und reichlich Gelegenheit hatte, seine Wünsche und Kaufkraft zu überdenken.

@GoldenTurtleund @VanFersen: ich dachte, Silberkännchen wären das Krönchen? :lol::ph34r:

 

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Willkommen zurück Fersi!

Ich hatte mich schon gefragt wieviel Gramm Teeblätter wohl am Tag verbraucht worden sind bei dir? Weil ich schau eher danach, als nach der Menge an Flüssigkeit. Es scheint vielen Teetrinkern so zu gehen, dass man erstmal total über die Stränge schlägt und sich dann auf einem vernünftigen Niveau einpendelt. Freu mich drauf, weiteres von dir zu lesen! :thumbup:

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vor 6 Minuten schrieb Bancha:

...und mir kamst du nie wie ein Anfänger vor. Ich hatte das Empfinden du wärst quasi Tee.

;)

Danke dir - dies freut mich sehr, wirklich sehr zu Lesen, aber ich hatte das auch nicht so auf mich bezogen. Vielmehr meinte ich mit diesem Punkt "Fehler" (eher übereifrige Fehlentscheidungen) die man am Anfang machen kann und die ich durch meine Erfahrung an andere weitergeben möchte, damit man sich den ein oder anderen Kauf doch besser überlegt, bevor man sich wirklich entscheidet, vor allem das man voraus plant und denkt. Denn oft gefällt einem etwas im ersten Moment, aber langfristig entpuppt sich jenes Stück dann doch eher als unpraktisch. Aber das gefällt mir echt gut "du wärst quasi Tee" :):thumbup:

 

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Schön, dass wieder ein Mitglied zurück ist.

Ich kann auch sagen, dass man mit der Zeit etwas besonnener wird und die Erstmotivation nicht mehr alles beeinflusst.

Ich habe inzwischen auch Tage, wo ich 3-4l Tee trinke.

Dagegen aber auch welche, wo es keinen gibt oder nur wenig, eben auch je nach Zeit.

Für mich ist Tee immer noch Entspannung, weil es eben freie Zeit ist.
Daher ist er mir wichtig durch das, was ich damit verknüpfe.

Und das ist das schöne am Tee, wenn ich ihn habe, habe ich auch Zeit für ein gutes Buch o.ä.

Ich habe inzwischen auch meine Sammlung an Kannen, ich nutze genau drei.
2 Kyusu und 1 Glaskanne für exotische Dinger, die ich nicht in den anderen beiden haben mag.

Und mir reicht das völlig, ich komme damit super zurechtund bin zufrieden, was will man mehr.

In dem Sinne euch allen entspanntes Trinken in 2017 :-)

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vor 22 Stunden schrieb Raku:

@GoldenTurtleund @VanFersen: ich dachte, Silberkännchen wären das Krönchen? :lol::ph34r:

Zum Thema Silberkännchen, ich habe ja eins.

Am 13.3.2016 um 22:17 schrieb GoldenTurtle:

Endlich habe ich das langersehnte Silberkannenschnäppchen erwischt. Ich wollte und durfte einfach keinen mittleren dreistelligen Betrag für diesen Spass ausgeben, darum musste ich ziemlich geduldig sein. 

kanne.jpg

Sie ist nicht gross, mit ca. 11,5 cm Höhe eher winzig, aber genau das wollte ich - darum ist sie vom Silberwert her auch nicht kostspielig, weil eben diesen kennt jeder Verkäufer und leider auch noch eine schiere Unzahl von Silberkäufern. Das Problem bei diesem Ansatz ist nur, erst einmal eine echte, winzige Silberkanne zu finden. Ich bin also mit fast einem Jahr Verspätung demnächst auch beim noch aktuellen Sheng-Beeinflussungshype mehrerer der grossen Süffler des Westens mit dabei. :D

Fazit, etwa 10 Monate danach:

Zum Aufbrauen sind Silberkännchen teilweise auch umstritten, zumindest in meinem Tee-Umfeld, und zwar geschmacklich, und zwar zurecht - ich muss sagen, es gibt da geschmacklich teilweise eine ziemlich starke Interaktion, und diese mögen nicht alle. Ich habe damit zwar keine Probleme, aber ich kann es sehr gut verstehen. Es ist ein nettes Spielzeug, kann man haben, muss man aber nicht.

@Raku Ein Silbertopf, um darin "nur" das Wasser aufzukochen, im Stil einer Ginbin z.B., kann ja auch kleiner sein ... das wär was schönes! Hat auch durchs Band ein gutes Renommee.

Edited by GoldenTurtle
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Etwas weiteres am Rande: Ihr erinnert euch sicherlich das ein Grund warum ich mit dem damals doch "exzessiven" Teegenuss nach und nach gänzlich aufgehört hatte, weil mir der Tee auf die Nerven ging und das meine ich nicht auf die Lust und Laune bezogen, sonder tatsächlich meine Nerven an ihre zittrigen Grenzen brachte. Aber ich musste nun feststellen, dass nach dieser Pause genau das Gegenteil eintritt, denn der Spruch ist wahrlich kein verkehrter, wenn es heißt "die Dosis macht das Gift"

Da ich jetzt nur noch kleine Sessions in kleinen Kannen abhalte, vollzieht sich nun der Effekt, denn man eigentlich aus Teeliteratur und Wissensquellen her kennt - der Tee beruhigt und bringt Einklang. Ich merke es besonders, da ich mich Moment sehr mit Schmerzen im Beckenbereich herum quäle und jedes Mal wenn ich meine kleine Session abhalte wird es besser und mir geht es gut. Zuerst dachte ich es wäre Zufall und hätte nichts mit dem Tee am Hut, aber als es jedes Mal so kam, wurde es doch eindeutig. Interessant wie schnell etwas ins Gute und Schlechte umschlagen kann. Sicherlich bekomme ich oftmals, so auch gestern die Lust eine zweite Runde mit einem anderen Tee einzulegen, aber ich ermahne mich dann selbst und sag zu mir "Es ist gut für heute". Somit bleibt es auch etwas Besonderes, freut sich auf den nächsten Tag und hat am Ende auch weit länger etwas von seinen Teesorten ;)

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  • 7 months later...

@VanFersen, was du beschrieben hast, kenne ich auch ziemlich gut. Nicht auf Tee (und dessesn schließlich übermäßig werdenden Konsum) bezogen, sondern auf ein anderes meiner Hobbies. Ich denke, dass deine "Teekarriere" so wurde, wie es sich bei Dir nun mal entwickelte, liegt auch an deinem Blog. Bei mir war es ähnlich. Ich bin ziemlich versiert in Faserverarbeitung (Stricken und Spinnen) und habe ein Blog zu dem Thema angefangen. Da ich halt Autorin bin, kommt eine gewisse Fähigkeit dazu, meine Gedanken auch zu formulieren und so zu schreiben, dass Leute es gerne lesen. Ich hatte zu den "besten Zeiten", die ich eigentlich gar nicht so toll fand, mehr als 2000 Leser pro Tag, auch bedingt dadurch, dass es viele Mulitplikatoren gab und so noch mehr Leute aufmerksam wurden. Mein Fehler war, dass ich mich unter Druck setzen ließ und Erwartungen zu erfüllen begann, die ich eigentlich gar nicht erfüllen wollte. Ich strickte und spann und fertigte manche Dinge an, nur um darüber zu schreiben. Ich probierte Woll- und Faserqualitäten nicht aus, weil ich sie spannend fand, sondern weil es irgendwie erwartet wurde, dass ich das tue. Ich gab Geld für Dinge aus, von denen ich wusste, dass sie nicht so meins sein werden. Ich merkte, dass das nicht Sinn der Sache ist. Zudem bin ich eher introvertiert und liebe ein solches Maß an Aufmerksamkeit nicht, wie ich es damals erfuhr. Wenn irgendwo FaserverarberterInnen zusammentrafen, wurde ich eingeladen, und wenn ich mich entschloss, hinzufahren, war ich eine Art Ehrengast, alle hatten alles gelesen, was ich geschrieben hatte, und Geschäftshinhaber überlegten, ob ihr Laden meinen Ansprüchen genügte, so ein Kram halt. Ich fand es sehr unangenehm. Ich hörte auf, selbst Treffen zu organisieren, weil die Lokale immer zu klein waren, weil so viele Leute kamen. Der Blog wurde für mich zum Albtraum, und das Stricken und Spinnen, das ich sehr liebte, irgendwann halt auch. Und das, obwohl ich in dieser größtenteils sehr biederen Szene der Badass war, der gegen den Strich dachte und handelte, was viele der Damen, die dort versammelt sind, eigentlich nicht leiden können.  Ich zog mich aus der Blogszene zurück, fuhr mein Hobby radikal zurück und wandte mich auch anderen Dingen zu. Aus der Szene verabschiedete ich mich ebenfalls. Seither geht es mir wieder besser, und ich habe wieder Spaß an der Sache - aber eben an vielen anderen Dingen auch, die durch die  verdrängt worden waren. Ich schreibe bis heute nicht mehr darüber, um meine Erfahrung von damals nicht zu wiederholen. 

In die Erwartungsdruckfalle will ich nie wieder tappen, auch wenn die Tätigkeit, die ich dafür ausübte, meine Gesundheit nicht angriff. Aber das Angestrengte, das von den eigenen Ansprüchen Gejagte, das du sehr treffend beschrieben hast, das kommt mir doch sehr bekannt vor, und es ist ungesund, auch ganz ohne zu hohen Teekonsum. Ich wünsche dir jedenfalls bei deinem Neustart, das, was dir abhanden kam: Der Spaß an der Sache. :) 

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@Jinx - ich kann dir in allem nur Recht geben und es sehr gut nachvollziehen. Ein gewichtiger Grund warum ich damals nicht von dem Journalistischem ab konnte, war der Druck den ich mir Jahre lang machte unbedingt etwas "Großes" sein oder tun zu müssen. Ich hatte Jahre lang für kaum bis kein Geld für Musikmagazine geschrieben, dann sogar fürs Radio. Aber nirgendwo sprang eine Festanstellung heraus, geschweige denn genügend Geld das ich irgendwie davon Leben könnte. Davor wollte ich immer eine Band gründen, aber zur damaligen Zeit gab es keine ambitionierten jungen Leute die echt etwas erreichen wollte. Heute gut 14 Jahre später sieht der Markt ganz anders aus, aber nun bin ich in einem Alter (34) wo ich lieber meine Ruhe haben will und auf solch eine Lebensart einfach keine Lust mehr habe. Auf jeden Fall kam ich vom Musizieren zum schreiben über Musik und von dort wiederum zum schreiben über Tee. Da Asien vom Kleinkindalter an immer eine prägende Rolle für mich gespielt hat und immer noch spielt (Anime, Videospiele, Kpop (generell Musik), Essen, Kultur, Filme, Dramaserien und eben sehr sehr wichtig TEE) hat am Ende eine Fusion von dem einem mit dem anderen geführt. Doch wie du schon geschrieben hast, hatte ich mir mit dem Blog immer mehr und mehr Druck gemacht, da ich am Ende auch etwas damit erreichen wollte - natürlich in irgendeiner Art davon Leben zu können oder das sich daraus mehr entwickelt. Doch mit dem selbst auferlegtem Druck einem Berufsbild näher zu kommen und seinen Lesern gerecht zu werden, schwand auch immer mehr die Freude dahin. Ich denke die Unverträglichkeit erfolgte im Zuge dessen aus allen genannten Umständen, Stress und der Verlust an Freude daran spielten mit Sicherheit auch eine Rolle.

Worauf ich damit hinaus wollte: Am Ende habe ich erkannt, dass nicht etwa Geld einen Job schön kaufen kann oder das man unbedingt etwas Hohes in seinem Leben sein muss um jemand zu sein, sondern, dass es wichtig ist wer man ist und das man Glücklich ist. Geld erleichtert vieles aber es macht nicht einzig und allein Glücklich. Was bringt einem alles Geld der Welt, wenn man beruflich so eingespannt ist, dass man keine Zeit es es zu genießen oder gar auszugeben. Etwas mit "MUSS" zu erreichen glich bald mehr einer Krankheit, als einem Ziel und von daher hatte ich eines Tages meinen Frieden damit gefunden. Dies war vor gut 2 Jahren. Ich erkannte dass der wahre Reichtum im Leben "Zeit" ist. Ich arbeite 25 Stunden die Woche und mehr will ich auch nicht arbeiten. Ich liebe meine Arbeit nicht, aber sie ermöglicht mir viele Freiheiten und vor allem ein Arbeitsumfeld in dem ich mein eigener Herr bin und mir alles so einteilen kann wie ich es möchte und mir niemand auf die Finger sieht. Das und der Faktor Zeit zu haben bedeutet mir weit mehr, als 2000€ Netto monatlich bei 45-50 Stunden Arbeit am Konto zu haben.

Man muss im Leben Freude an den Dingen haben, denn Arbeit ist einfach nur Zeitverschwendung - außer man verbringt sie mit etwas das einem Freude macht und man sich darin verwirklichen kann - sollte man aber nicht das Glück haben dies tun zu können so finde ich sollte Arbeit einem so wenige wie es nur geht nerven können oder von dem abhalten was man wirklich tun möchte und in diesem Fall bin ich schon am richtigen Platz ;)

Ich bin stolz auf meinem Blog da er eine gute Basis und ein gutes Lexikon für Tee bietet, vor allem wenn man neu in die Materie einsteigt. Aber ich für meinen Teil habe nun seit gut einem 3/4 Jahr mit Instagram die bessere Variante gefunden. Vor allem kann man hier viel leichter und unbefangener Bilder und Reviews veröffentlichen und man hat gleich direkten Austausch mit Teefreuden aus aller Welt. Aber so lernt und entwickelt man sich eben weiter. Aber wie ich immer sage: Egal was man im Leben durchmacht oder erlebt, alles hat am Ende einen Sinn und führt einem einen guten Schritt weiter in die richtige Richtung.

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@VanFersen, was das Leben können durch Hobbies angeht: Willkommen in meinem Leben. Wobei ich das nie wollte, denn eine Freundin von mir hat ein Wollgeschäft aufgemacht. Es läuft durchaus gut, aber reich wird sie nicht. Dafür arbeitet sie 60 Stunden die Woche, nach Feierabend kommen die Online-Bestellungen dran, ohne die es halt auch nicht geht. Die Buchhaltung hat sie außer Haus gegeben und außerdem zwei Minijobberinnen eingestellt. Sie hätte gern eine regulär bezahlte Kraft, aber das ist nicht drin. Zu ihrem Hobby Stricken kommt sie praktisch gar nicht mehr. 

Ich hab Kurse gegeben, das hat durchaus Spaß gemacht, aber ist grottig bezahlt. Was mich auch genervt hat, ist die Konsummentalität mancher Leute, die einfach nur bespaßt werden wollen, gern durch einen Szenepromi. Die einen mit den unmöglichsten Anfragen heimsuchen und beieidigt sind, wenn man ihnen ein Muster aus einem Buch nicht einfach so scannt und schickt, weil es ja so etwas wie Copyright gibt. Ich hätte gern mal eine Art Meisterklasse unterrichtet, mit richtig anspruchsvollen technischen Inhalten. Aber die Leute fangen schon an zu meutern, wenn sie einen Pullover selbst berechnen sollen - auch wenn man ihnen die Formel aufschreibt und genau erklärt (und sie eigentlich nur noch die Zahlen in den Taschenrechner eingeben müssen). Was ich durch diese Erfahrungen gelernt habe: Ich bin so wahnsinnig ungern bekannt. 

Das mit der Zeit sehe ich ganz genauso. Ich war nie auf die große Karriere aus, da ich gesehen habe, was es aus dem Leben der Leute macht, die eine solche verfolgen - wenn man es denn Leben nennen möchte, was die da tun ... 

Es ist schon was dran an der Aussage, dass das Hobby ganz schnell aufhört, Spaß zu machen, wenn man es zum Beruf macht - oder anfängt, die Erwartungen anderer Leute zu erfüllen bzw. irgfendwelchen nebelhaften "Gelegenheiten" hinterherzulaufen. 

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