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Kyobancha - die unterschätzte Spezialität


miig

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Seit einer impulsiven Großbestellung bei Yunomi hab ich diese interessanten Tees bei mir und hab sie auch ziemlich ins Herz geschlossen. Sie wurden mal am Rande erwähnt in Threads zu Hojicha kochen und allgemein , aber soweit ich sehe wurde diesen interessanten Tees noch kein explizites Thema gewidmet.

Es handelt sich um japanische Tees die oft den Grüntees zugeordnet werden, aber von ihnen kaum weiter entfernt sein könnten. Zur groben Orientierung: Es sind zwar Banchas, sprich es werden große Blätter geerntet, vor oder nach der edlen Frühjahresernte. Während dieser werden die zarten jungen Blätter und Sprossen für die hochwertigen Senchas und Gyokuros und Co. verwendet. (Alles eine Faustregel, gibt natürlich Ausnahmen).

Die klassischen Banchas sind derber und meistens weniger lecker sind als die guten Frühlingstees und können mit wesentlich heißerem Wasser aufgegossen werden. Sie enthalten ob der älteren Blätter weniger Koffeein / Teein. Aber diese Tees sind noch typische Grüntees.

Kyobancha hingegen wird geröstet, und zwar nicht zu zart. Die Blätter erhalten verschiedene Brauntöne und sehen aus wie Herbstlaub. Man kann sie mit kochendem Wasser übergießen oder sogar so richtig auskochen, siehe Links oben. Ich persönlich fand den Unterschied zwischen beiden Zubereitungsarten nicht zu dramatisch. In jedem Fall ist es ein interessanter Tee: Er ist jetzt nicht enorm komplex, aber sehr gefällig, mit brotigen, erdigen, und, naja, laubigen Noten :D

Vor allem aber ist der  Tee kaum anregend, da der ohnehin schon niedrige Koffeingehalt durch die starke Röstung weiter gesenkt wird. Oft findet man im Internet die Angabe, der Tee enthielte fast garkein Koffeein.  

Ich kenne jetzt die zwei Sorten, die von Yunomi kommen und die ich schon probiert habe:

Kihara Kyobancha/

und

Obubu Kyobancha

Beide sind ziemlich günstig (16$ / 200g und 10$ /100g) und schmecken recht ähnlich, wobei der Kihara noch etwas derber und rauchiger ist. Nichtsdestotrotz sind es gut zu trinkende, gefällige, sehr angenehm wirkende Tees. Finde ich :)

Gibts hier noch weitere Freunde der Kyobanchas? Nur her mit euren Meinungen !

Edited by miig
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Ahhh Kyobancha... hatte den auch schonmal im Hause, allerdings bin ich nicht gerade ein Freund davon :D Ich kann aber durchaus verstehen, warum den andere so interessant finden. So etwas rauchiges hat man selten in der Tasse ;)



Ich hatte mal das zum Thema Kyobancha (auch: Iribancha) geschrieben: http://www.japan-kyoto.de/iribancha/


Edited by ckaden
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Hi,


danke für deinen Beitrag!





für den Westler entweder gefährlich, ziemlich abartig, oder man sollte zumindest Vorsicht walten lassen.




:lol: :lol: :lol:


Womöglich hattest du etwas krassere Kyobanchas in der Tasse? Ich würde voll und ganz sagen dass sie nicht im engeren Sinne köstlich sind, aber durchaus im weiteren Sinne lecker. Womöglich ist mein Gaumen auch durch das Trinken von feucht gelagerten Brutalitäten aus Südchina abgehärteter :huh: ? Wenn man von einem fruchtigen Grüntee kommt dann sperrt man wohl schon erstmal die Augen auf.. aber hast du mal einen Batabatacha probiert? Der ist wirklich nichts für schwache Nerven. (Zugegebenermaßen auch nicht dazu gedacht, als Tee im klassischen Sinne getrunken zu werden).



Bin ja mal gespannt wie andere den Kyobancha einordnen würden :)


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Kommt immer darauf an, wie man sie zubereitet. 



Dank des niedrigen Koffeingehaltes werden die gerne zum Abend-Essen getrunken.


Auch für Kleinkinder und alte Menschen soll es ja ein guter Durstlöscher sein. 



Nach dem rituellen Essen im Dojo wurden die Essschalen mit diesem Tee der Reihe nach gesäubert. Anschließend trank man diese Spülbrühe. Von daher bin ich in Bezug auf diesen Tee etwas vorbelastet.  :whistling:


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Ja genau, viele Dank Diz, ... und ich hatte auch mehrfach gelesen, daß er wohl noch röstiger/rauchiger schmecken soll als Houjicha, daher die Frage ob er in die Richtung von Rauchtee gehen könnte. Rauchtee setze ich in der kalten Jahreszeit ganz gern in der Küche ein. Diese Woche werde ich Gelegenheit bekommen ihn zu probieren. Bin schon gespannt.  ;)


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Schöner Beitrag miig :thumbup:



Kyobancha hatte ich mal, ist allerdings ein Weilchen her. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, dann fand ich ganz OK. Nichts, wass mich vom Hocker gehauen hat, weder positiv noch negativ.  ;) 



Habe deinen Beitrag heute erst gar nicht gefunden, weil ich unter "Grüntee Japan" gesucht habe. Das letzte mal war er in der Liste der neuen Beiträge, und da habe ich mir nicht gemerkt unter welcher Rubrik du ihn gepostet hast. Du schreibst ja selbst, dass er mit einem typischen japanischen Grüntee nicht viel gemein hat. Das hat mich dann daran erinnert, dass wir hier ja schon das ein oder andere Mal über den Begriff Bancha gestolpert sind. Da ich zum Tee selber nicht so viel beitragen kann, also was zum Thema Bancha aus der Theoriekiste. ;) 



Hier und da liest man ja gelegentlich, Bancha sei der Alltagstee der Japaner. Wenn man sich die Trinkgewohnheiten der Japaner heutzutage anschaut, wären Zweifel an diese Aussage durchaus angebracht. Für diese Aussage wiederum spricht, dass es zur Herkunft des Begriffes Bancha eben auch eine Theorie gibt, dass sich dieser von einer einfachen Beilage zum Essen (obanzai) ableitet und somit mit "alltäglich" zu assoziieren ist. Die andere wäre ban als Zählwort für die Pflückung.



In einem Zeitungsartikel der Nippon Keisei Shinbun, den ich zu dem Thema mal gelesen habe, ist der Autor der Frage nachgegangen, warum im Raum Kanto (Tokyo usw.) sowie Kansai (Osaka, Kyoto usw.) Bancha, gemeint ist hier die Aufgussfarbe, grün ist, während sie im Nordosten (Tohoku) und Hokkaido bräunlich ist. Dabei ist er dann auch über Kyobancha und Konsorten gestolpert. Natürlich kann man auch einfach Bancha Bancha sein lassen, aber wenn man diesen Tee kategorisieren wollte, würde sich hier auch nach Meinung einiger anderer Autoren eine Zwei- bzw. Dreiteilung anbieten.



1. Bancha im Sinne von Tee niederer Qualität (下級茶 kakyu-cha): also eine spätere Pfückung und/oder grössere Blätter (4,5 Blatt usw.), in Punkto Herstellung weist der Tee aber keine Abweichungen von anderen japanischen Tees (Sencha, Kabuse, Tamaryoku-cha usw.) auf. Kriterium ist hier ledigliech der Unterschied in der Qualität. Beispiele hierfür wären ein Ni-Bancha, Aki-Bancha oder Kawayanagi aus Kyoto bzw. Uji.



2. Regionaler Bancha: ein Tee, der in einer bestimmten Region traditionell verortet ist, und in der Herstellung von den zwei grossen Strömungen des japanischen (Grün)Tees, gedämpfter Grüntee (Sencha, Tamaryoku-cha, Gyokuro, Kabuse-cha usw.) und Kamairi-cha, ihren Demono (Kuki-cha, Mecha usw.) sowie nachbearbeiteten Tees a la Hoji-cha*, abweich, aber doch noch irgendwie ein Grüntee ist. Also auch nachfermentiert z.B. Schwarztee oder Oolong hingegen sind keine Banchas, wen wunderts. ;)  Beispiele für regionale Banchas sind Kyobancha (Iribancha), Batata-cha, Goishi-cha usw. Diese Tees waren, und das schliesst dann den Bogen zu obiger Aussage, in ihrer Region eine Art "Alltagstee". Ich schreibe das mal in der Vergangenheit, auch wenn es durchaus sein kann, dass das auf den ein oder anderen Tee heutzutage noch zutrifft. 



3*. Bancha aufgrund unterschiedlichem Sprachgebrauch. Im Nordostjapan (Tohoku) und Hokkaido wird "Bancha" anstelle von "Hoji-cha" verwendet, was dann auch erklärt, warum im Nordosten ein Bancha vornehmlich eine braune Aufgussfarbe hat, und in Tokyo eine grüne. Ist vielleicht auch nicht so wichtig, wollte es der Vollständigkeit aber trotzdem erwähnt haben.

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In einem Zeitungsartikel der Nippon Keisei Shinbun, den ich zu dem Thema mal gelesen habe, ist der Autor der Frage nachgegangen, warum im Raum Kanto (Tokyo usw.) sowie Kansai (Osaka, Kyoto usw.) Bancha, gemeint ist hier die Aufgussfarbe, grün ist, während sie im Nordosten (Tohoku) und Hokkaido bräunlich ist. 

3*. Bancha aufgrund unterschiedlichem Sprachgebrauch. Im Nordostjapan (Tohoku) und Hokkaido wird "Bancha" anstelle von "Hoji-cha" verwendet, was dann auch erklärt, warum im Nordosten ein Bancha vornehmlich eine braune Aufgussfarbe hat, und in Tokyo eine grüne... 

Kyobancha hatte ich bisher leider noch keinen, jedoch verschiedene Bancha und Houjicha, welche bei mir beide deutlich braune und keine grünen Aufgüsse ergeben.

Kann es sein, dass in manchen Gegenden Konacha als Alltagstee gilt (und einfach als Bancha bezeichnet wird)?

Konacha hätte ja eindeutig eine grüne Aufgussfarbe und ist dadurch, dass er aus den bei der Teeproduktion entstehenden Blattkrümel besteht, deutlich günstiger, als vergleichbare Qualitäten und somit ein praktischer Alltagstee. Der wiederum aber auch mehr Koffein enthält, als die gerösteten Bancha und Houjicha.

Quellen sind angelesene Weisheiten aus den Teebeschreibungen verschiedener Shops. :)

Edited by Raku
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Kann schon sein. Wobei Kona-cha genau wie Mecha, Kuki-cha usw. streng genommen zu den sogenannten "Demono" zählen. Das sind Nebenprodukte, die bei der Produktion der Hauptprodukte Sencha, Gyokuro usw. entstehen. Die werden zwar in der Regel qualitativ niedriger angesehen als das Hauptprodukt, ein Nebenprodukt eines guten Gyokuro oder Matcha kann aber durchaus teurer sein als ein Sencha beispielsweise.

Vielleicht hätte ich das oben noch dazu schreiben sollen, bei Bancha der Kategorie 1 ist das Unterscheidungsmerkmal die Qualität des Ausgangsmaterials, also spätere Pflückungen oder die unteren härteren größeren Blätter bei sonst ähnlichem Produktionsprozess. Natürlich fallen dabei auch Nebenprodukte an, ist ja klar, aber ich glaube die dürfte man seltener im Handel finden. ;)

Edited by seika
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  • 7 months later...

Am 3/15/2016 um 19:19 schrieb Anima_Templi:

Kyobancha von Maiko.

Ein einfacher Tee, der mir einfach vorzüglich schmeckt!

Hab heute auch diesen Tee in der Tasse, ich bin etwas überrascht von ihm. Die bisherigen Kyobanchas, die ich hatte, waren alle recht uniform: Dunkles, tiefbraunes Blatt und ein very rösty Aroma, das sich zwischen Erde und Holz bewegt.large.572b692135991_KyobanchaMaiko1.jpg.

Dieser hier wurde vermutlich heißer, und viel kürzer geröstet: Viele Blätter sind noch (gelblich-)grün, dafür gibts auch regelrecht verbrannt aussehende Stellen. Beides kannte ich noch nicht, übers braune gingen die bisherigen Kyos nie hinaus.

 large.572b6a9eb47c2_KyobanchaMaiko3.jpg.

Das Aroma ist somit auch ganz anders: Wesentlich leichter, zum ersten Mal erkenne ich in solch einem Tee den Bancha-Anteil wieder. Dieses Aroma wird auf sehr interessante Weise durch einige verbrannte Noten abgerundet. Auch die Aufgussfarbe ist viel heller.

https://www.teetalk.de/uploads/monthly_2016_05/large.572b6921994ee_KyobanchaMaiko2.jpg.16d220d76a5013a8eb7dbd9cf638b4b5.jpg

Fazit: Der Grundcharakter ist nicht unähnlich: Ein rustikaler, für Feingeister wohl sogar derber Tee, der durchaus einen interessanten und angenehmen Charakter hat, aber keineswegs gefällig oder betörend wirken könnte. Allerdings in einer interessanten Variation, die zum Teil leichter ist als die "braunen Kyos", zum Teil auch kohliger :ph34r: Sehr guat in jedem Fall!

 

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Guest Gast195

Ach Paul, du lässt einem die Illusion das Altern etwas romantisches hat. Vielen Dank dafür ;)

Zum Topic, Kyobancha ist so gar nicht mein Fall, ich mag einfach keine Röstaromen im Tee.

Hab hier noch 100g in der Gefriertruhe rumfliegen, die ich mir für ne besondere Gelegenheit oder unhöflichen Besuch aufspare.

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  • 7 months later...
  • 2 years later...

Bonjour!

Ich weiß, das Thema ist schon etwas älter, aber ich habe neulich auch erstmals einen Kyobancha getrunken und war positiv überrascht. Meint ihr, man könnte den auch selbst aus einem gewöhnlichen Bancha herstellen, vielleicht mit einer Hojicha-Pfanne? Hätte Lust mal selbst etwas zu rösten :)

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Hey,

das sollte auf jeden Fall gehen. Hier im Forum haben ja auch schon Leute ihre Oolongs nachgeröstet, nicht wahr, @GoldenTurtle. Ich denke, es braucht halt ein wenig Übung, bis man den Dreh raus hat - aber wenn du sachte rangehst und dich vortastest, dürfte das schon auf Anhieb was passables ergeben. Es gibt halt kein Zurück, wenn man zu viel geröstet hat :)

Ich würde auch meinen, dass eine ordentliche Koch Pfanne ausrecht - am besten was mit schwerem Boden, das länger die Wärme speichert und sie langsam, aber gleichmäßig abgibt, damit du keine verbrannten Stellen bekommst.

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